Die Orientierungsreise

Wie in meinem ersten Blog Beitrag versprochen, möchte ich in diesem Artikel unsere Orientierungsreise in die USA Ende Dezember 2016 zusammenfassen.

Jetzt bin ich schon 2,5 Wochen hier und dies mag seltsam erscheinen. Ich denke, man gewöhnt sich so schnell an neue Dinge, dass leider der Zauber des Anfangs schnell in Vergessenheit gerät. Deswegen möchte ich die Orientierungsreise und meine allerersten Eindrücke des Landes doch noch festhalten.

Der Arbeitgeber meines Mannes sendet alle Delegates vorher in das vorgesehene Land auf Orientierungsreise. Das ist eine lohnenswerte Investition, denn einen Mitarbeiter samt seiner ganzen Familie ins Ausland zu senden ist sehr kostspielig. Da will man nicht riskieren, dass verfrüht abgebrochen wird, weil die Erwartungen vor Ort nicht erfüllt wurden. Wir haben also eine gemeinsame Dienstreise nach Atlanta unternommen. Zeitlich hat hierfür nur noch die Woche vor Weihnachten gepasst, was aber sehr schön war, so haben wir noch ein bisschen weihnachtlichen, amerikanischen Kitsch mitbekommen und konnten Geschenke shoppen. Nicht jeder Schmuck war so hübsch, wie dieser Baum in unserem ersten Hotel, aber jedes Essen hat so gut geschmeckt, wie dieses japanische in einem Einkaufszentrum.

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Der Weihnachtsmann war natürlich auch im Einkaufszentrum. Kinder standen Schlange, um im feinsten Outfit mit Santa Claus fotografiert zu werden.

Wir haben uns für die Reise bewusst nicht sonderlich viel vorgenommen. Das Hauptziel war, die Stadt zu erleben. Nach etwas Recherche vorab erwogen wir zwei Stadtviertel, in denen wir wohnen könnten. Wir haben dann für diese Woche zwei Hotels gebucht. Eines in Midtown und eines in Buckhead.

Besonders interessant ist, dass wir uns in dieser Woche mehr in Buckhead als in Midtown aufgehalten haben – dort sind riesige Malls (Einkaufszentren) – wir lieben Malls – uns aber doch für eine Wohnung in Midtown entschieden haben. Dieses Stadtviertel grenzt direkt an den wunderschönen Stadtpark, in den ich mich gleich verliebt habe. Er wurde wohl von demselben Landschaftsarchitekten kreiert, wie der Central Park in New York. Ich finde, er sieht ihm auch ähnlich, war aber noch nie da – das wird sich noch ändern.
In den USA ist es leider Gesetz, dass Hunde immer an der Leine geführt werden müssen. Es gibt aber abgezäunte Gelände, auf denen sie unangeleint laufen und spielen dürfen. Im Piedmont Park gibt es sogar zwei sehr große davon. Eines für große und eines für kleine Hunde.
Des Weiteren haben sich die meisten Start-Ups um die Gebäude der Georgia-Tech-Universität in Midtown angesiedelt. Im Unigelände soll auch das neue Büro meines Mannes eröffnet werden. Hierhin kann er dann laufen. Dies ist ein sehr großer Vorteil, da der Berufsverkehr in Atlanta extrem ist.

In Midtown sind, wie in Buckhead viele Kneipen und Restaurants, die architektonische Nachbarschaft ist jedoch etwas älter und durchmischter. Hier leben viele Menschen, mitunter schon sehr lange. Das Stadtbild ist durch Hochhäuser und ältere, hölzerne Einfamilienhäuser sehr bunt.
Buckhead dagegen ist sehr viel urbaner. Es besteht nur aus neuen gläsernen Hochglanz-Gebäuden und -Hochhäusern, die hauptsächlich Büros enthalten. Dies gefällt uns auch, nur für meinen Alltag passt dies nicht. Ich brauche einen Park, etwas grün, eine abwechlungsreiche Nachbarschaft und viele Menschen, die man auch tagsüber auch mal auf der Straße trifft. Ich will ja schließlich was erleben!

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Erste Eindrücke aus Buckhead

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Erste Eindrücke vom Piedmont Park in Midtown

Selbstverständlich waren wir im Kino und haben uns Rogue One angesehen! Die Kinos hier sind anders als deutsche. Für meinen Mann sehr enttäuschend, gibt es kein süßes Popcorn. Dafür kann man aber komplette Mahlzeiten mit in den Saal nehmen. Wobei eine komplette Mahlzeit hier dann zum Beispiel ein Burger mit Kartoffelecken oder mit einer dicken Käseschicht und Schinkenstückchen überbackene Pommes ist. Ich sag euch, mega lecker! Sowas geht aber keinesfalls zu oft. Dass ich danach nicht eingeschlafen bin, liegt entweder an dem 2l Cola Becher oder an der Qualität des Filmes. Scherz beiseite, natürlich war der Film der Knaller, Donnie Yen als Chirrut Îmwe (der blinde Krieger) legendär.
Das Kino war wie eine kleine Spielhalle ausgestattet. Für mich natürlich super spaßig! Es gab auch eine Foto Booth, wo ein Aufenthalt für uns natürlich unentbehrlich war. Ein sehr schöner Abend also für uns beide.

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Wir bekommen für ein paar Tage einen Umzugsagenten gestellt, dieser hilft uns bei der Erledigung verschiedener Dinge, zum Beispiel Behördengänge, Eröffnung eines Bankkontos, Führerscheinprüfung, Wohnungsbesichtigungen und Autokauf. Unsere Agentin ist Sherry. Sie begleitete uns einen Tag, an dem wir ein Bankkonto eröffneten und uns Wohnungen angesehen haben. Wir haben ihr bereits aus Deutschland unsere Wünsche und Vorstellungen mitgeteilt. Da wir wussten, dass sie auch einen Hund besitzt, baten wir sie, Chloe (eine Ladbradoodle-Hündin) mitzubringen. So konnten wir bei den Besichtigungen gleich sehen, wie hundefreundlich die Wohnhäuser wirklich sind. Ihre Begleitung war sehr hilfreich. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir nämlich noch keine Sozialversicherungsnummer und amerikanische Telefonnummer, die man für viele Angaben braucht. Über Umwege und Sherrys Unterstützung ging es auch ohne, es ist aber wohl nie leicht, Ausländer zu sein.

Die Tour mit Chloe war bezeichnend. Wir haben uns 4 Wohnungen angesehen, drei in Midtown und eine in Buckhead. Chloe hat sehr genau ausgedrückt, wie wir uns fühlen. In der ersten Wohnung ist sie ganz aufgeregt von Fenster zu Fenster gelaufen und hat sich über die tolle Aussicht gefreut. In der darauffolgenden Wohnung war sie sehr zurückhaltend und wollte bald wieder raus. Die Wohnung in Buckhead lud sie gleich ein, sich mitten in die Küche zu legen und den Bauch kraulen zu lassen. Die vierte Wohnung gefiel uns gar nicht, sehr dunkel und klein, kein Hochhaus. Chloe wohl auch nicht, denn sie kackte – ja, richtig – sie kackte mitten ins Wohnzimmer! Ich muss jetzt noch lachen, wenn ich daran denke. Sherry war wie versteinert, wusste nicht, was sie tun sollte. Da gaben wir ihr ein Taschentuch und sie spülte das Geschäft das Klo herunter. Der Kommentar der Maklerin? Ein Schulterzucken und die Aussage, dass genau dieses Apartment ohnehin schon vermietet sei!

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Das ist die sehr empathische Chloe

Mein Mann hat sich sehr gewünscht, dass wir während der Orientierungsreise schon eine Wohnung finden. Ihm war es wichtig, dass ich sie auch selbst gesehen habe und er nicht im Januar alleine losziehen muss. Ich habe daran nicht so recht geglaubt. Aber, es hat geklappt. Wir haben uns direkt für eine Wohnung entschieden! Ratet welche? Richtig, die erste. Diese tolle Wohnung hat einen separaten Beitrag verdient. (Blog Post Wohnungstour in Arbeit)
Es gibt hier riesige Apartmenthäuser, etwas vergleichbares kenne ich aus Deutschland nicht. Diese Communities haben meist auch gemeinsame Aufenthaltsräume, Fitnessstudios und Swimmingpools. Man braucht keine Besichtigungstermine vereinbaren, da es ein Vermieterbüro gibt, was den ganzen Tag geöffnet hat. Hier kann man einsehen, welche Wohnungen gerade frei sind oder bald frei werden. Die Makler zeigen einem dann die freien Wohnungen oder auch Beispielwohnungen, die bereits möbliert sind. Man kann Apartments mieten, hier ist der Vermieter eine Art Gesellschaft. Oder Condos, das sind dann Wohnungen oder (Reihen-)Häuser, die einer Privatperson gehören. Da wir bereits in Deutschland schlechte Erfahrungen mit privaten Vermietern gemacht haben, schlossen wir Condos in unserer Suche aus.

Die Mietverträge werden hier üblicherweise für mindestens ein Jahr zu einem festen Mietpreis abgeschlossen. Der Mietpreis kann sich aber jeden Tag ändern – abhängig vom Markt. Ähnlich wie bei Aktien. Auch ändert sich der Mietpreis abhängig vom ersten Tag der Miete, weil ja das Apartment sonst freigehalten werden müsste. Wir haben also den Mietvertrag so schnell wie möglich abgeschlossen, erster Tag war bereits der 27.12 – weniger als eine Woche nach Unterzeichnung des Vertrages! Um die Miete zu beginnen, wurden wir aber vor einige Herausforderungen gestellt, die wir sogar ohne Sherry meistern konnten. Wir mussten eine Wohnungsversicherung vorweisen, dies ist ein Mix aus Hausrat und Haftpflicht, das gibt es so nicht in Deutschland. Auch brauchten wir einen Stromanschluss und einen qualifizierten Scheck über die erste Miete und die Kaution.

Die Versicherung abzuschließen war leicht, dies ließ sich ohne Weiteres im Internet erledigen. Schwerer wurde es beim Stromanschluss. Diesen kann man nämlich nur telefonisch eröffnen, wenn man eine Sozialversicherungsnummer hat. Ohne diese muss man persönlich ins Büro fahren und sich doppelt ausweisen, also zum Beispiel mit Pass und Führerschein. Gesagt getan! Und schon waren wir auch mal in einem der nicht ganz so hochglänzenden Stadtviertel. Das Büro war ein Haus, in dem man auch seine Stromrechnungen bezahlen kann. Es ist in den USA so, dass man nicht wie in Deutschland eine Pauschale bezahlt, sondern Ende des Monats den genauen Verbrauch in Rechnung gestellt bekommt. Ist diese nicht bis zu einem bestimmten Termin bezahlt, wird der Strom abgedreht. Man kann seinen Strom auch bar bezahlen, dies ist wichtig, da man erst ein Bankkonto eröffnen kann, wenn man einen regelmäßigen Verdienst nachweist. Scheinbar bezahlen viele Menschen ihre Stromrechnung in bar, denn das Gebäude des Stromanbieters war für sehr lange Warteschlangen ausgelegt. Auch ein Sicherheitsbeamter war dort.

Auch der qualifizierte Scheck war nicht ganz leicht zu bekommen. Denn diesen bekommt man wiederum erst, wenn man Geld auf dem Konto hat. Das hatten wir nicht und kreditfähig sind wir in den USA auch nicht. So haben wir also 3 Tage vor unserer Abreise Geld vom deutschen auf das amerikanische Konto überwiesen und gehofft, dass es rechtzeitig ankommt. Als uns schwante, dass dies vielleicht nicht passieren könnte, begannen wir soviel es ging, Bargeld abzuheben, denn da gibt es Obergrenzen, pro Tag, pro Karte, pro Geldautomat.
Einschub: es gibt übrigens Drive-In Geldautomaten
Natürlich spuckten die Automaten nur kleine Scheine aus, also hatten wir stapelweise Geld bei uns und haben uns damit alles andere als wohl gefühlt.
Am Morgen unserer Abreise war aber glücklicherweise das Geld aus Deutschland da. So konnten wir zur Bank, das ganze Bargeld einzahlen und uns einen qualifizierten Scheck ausstellen lassen. Dann schnell zum Apartmenthaus und alles Benötigte abgeben, dass die Wohnung auch wirklich unsere ist. Und schon waren wir die glücklichsten Menschen auf Erden und konnten uns auf den Weg zum Flughafen machen.

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In Summe habe ich mich auf Anhieb sehr wohl in Atlanta gefühlt. Ich war tatsächlich vorher etwas nervös, denn ich war noch nie in den USA und wirklich rückgängig hätten wir unsere Entscheidung zu dem Zeitpunkt nicht mehr machen können.
Das lag daran, dass die Stadt so unaufgeregt normal und sehr sauber ist und die Menschen sind unglaublich nett. Diese amerikanische Oberflächlichkeit ist für uns Deutsche oftmals etwas befremdlich, wildfremde Menschen auf der Straße fangen ein Gespräch an, tiefere Beziehungen sind aber wohl schwer zu finden. Zu den tieferen Beziehungen kann ich noch nichts sagen. Die Offenheit auf der Straße liegt mir aber sehr. Schon in München bin ich ganz ungern mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren, weil die geballte schlechte Laune der Menschen darin für mich schwer erträglich war.

Viele Amis sprechen zum Beispiel Komplimente einfach aus, wenn Ihnen etwas gefällt. Wir standen vor einem Restaurant, weil wir auf eine Verabredung warteten, da sagte eine fremde Frau meinem Mann, dass sie seine Frisur ganz toll fände. In einem Supermarkt haben wir zwei neue Koffer gekauft, was uns viele nette Kommentare inklusive “Gott segne euch” bescherte. Die Menschen sind sehr auf sich bezogen, dafür aber auch sehr tolerant. Nicht in ein vermeintliches Raster passende Leute werden nicht schief angesehen, jeder wie er mag, das ist sehr offensichtlich und das finde ich sehr schön. In besagtem Restaurant war unsere Begleitung zum Beispiel in Trainingshose, weil sie direkt vom Fitnessstudio kam. In einen Laden dieser Klasse in München wäre sie nicht rein gekommen. Hier hat sie nicht einmal jemand schief angesehen.

Ich finde es super, dass einem hier erst einmal freundlich und hilfsbereit begegnet wird. Dies macht mir das Einleben in dieses Land sehr viel leichter.
Wie muss sich nur ein Amerikaner in Bayern fühlen?

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Ziemlich platt zurück in Bayern und vollgepackt mit Geschenken auf in die Weihnachtsfeiertage.

Vielen Dank für die vielen netten Kommentare zu meinem ersten Beitrag. Ich hoffe, dieser gefällt euch auch und ich freue mich sehr über Kommentare und Fragen von euch.

 


10 thoughts on “Die Orientierungsreise

  1. Und wieder einmal las sich dein neuer Beitrag mitfiebernd, witzig und aufschlussreich.
    Abgefahren wie das alles dort abläuft, eben ganz anders als in Deutschland. Gerne höre ich mehr von deinen Erfahrungen mit der Mentalität der Menschen. Als wir in New York waren empfand ich diese geradeaus-Art anfangs mit Skepsis und doch zugleich absolut erfrischend…ich glaub sich einfach darauf einlassen und immer wieder staunen 😉 Weiter so! Liebste Grüße

    Liked by 1 person

    1. ich freue mich sehr, das dir mein Geschreibsel gefällt, liebe Kristin! Ich bleibe dran und berichte weiter. Ich merke jetzt schon, dass Sachen, die mich letzte Woche noch staunen ließen, diese Woche schon normal scheinen….. nur schnell aufschreiben!
      Ich freue mich auf weitere nette Begegnungen 🙂

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  2. Ich bin begeistert!!!
    Ich bin auch einfach nur sprachlos!!!
    Unglaublich, meine Liebe, was Du Dir bzw. Ihr Euch da vorgenommen hast/ habt!
    Ein riesengroßer Schritt in eine riesengroße, ganz andere Welt!
    Ich bin so gespannt auf ALLES, was da noch kommen mag!

    Ich denke ganz oft an Euch und ich wünsche Euch von Herzen, dass Ihr eine atemberaubend unvergessliche Zeit erlebt!

    Zuckerkuss auf die rechte Wange! :-*

    Liked by 1 person

    1. der Zuckerkuss ist angekommen und klebt noch etwas… Brutus wird ihn heute Abend beim Schmusen auf der Couch abschlecken 😉
      Danke für deine Glückwünsche und Komplimente, Ricky! Melonenwassereisschmatzer auf die Nase!

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  3. …super geschrieben, Du solltest von eurem Abenteuer später ein Buch verfassen. Genieße deine Eindrücke und den lockeren Umgang der Leute in deiner neuen “Heimat”. Drück deine süßen kleinen ganz lieb. Bosco vermisst Brutus ganz sehr.

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  4. Denise, ich lach mich noch immer schlapp…kackt Chloe in das Wohnzimmer 😂 solche Erlebnisse sind bei dir doch irgendwie vorprogrammiert!
    Es war wieder sehr schön von dir lesen…mach weiter so!
    Und ich hoffe, du/ihr bekommst/bekommt bei deinem/eurem nächsten Heimaturlaub keine Unfreundlichkeitskulturschock 🙈

    Liebste Grüße und dicken Schmatzer 😘

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